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Industriegebiet: „Viele Widersprüche“

Stadt hält Schneppendorfer Standort für notwendig - Bürger und einige Räte sehen das anders

Im Amtsdeutsch nennt es sich lapidar Bebauungsplan 102 (B 102), für den zuständigen Zwickauer Bürgermeister Rainer Dietrich (CDU) ist B 102 dringend notwendig, um potenziellen Investoren große zusammenhängende Flächen für eine Ansiedlung anbieten zu können. Für die Anwohner in Schneppendorf und Crossen bedeutet B 102 allerdings eine deutliche Verschlechterung ihrer Wohnqualität. Denn die schmucken Einfamilienhäuser in der Siedlung lägen dann plötzlich zwischen der geplanten, aber noch immer heftig umstrittenen Kiesgrube und zwischen einem 114 Hektar Industriegebiet von dem heute noch gar keiner weiß, wer sich da ansiedelt.

Noch ist es nur ein Plan, der viele Hürden nehmen muss, aber Dietrich ließ keinen Zweifel daran, wie wichtig ihm das Vorhaben ist. Große Firmen lassen bei Neuansiedlungen Zwickau links liegen. „Derzeit haben wir gerade mal 5,5 Hektar verteilt auf acht Grundstücke zur Verfügung", argumentiert der Bürgermeister. Für ein Oberzentrum, das auch Arbeitsplätze schaffen müsse, sei das kein Zustand.

Auch unter den Räten findet der Plan zu „Vorhaltung von Industrieflächen"nur bedingt Zustimmung. Einige sehen Alternativstandorte, andere wiederum befürchten rechtliche Auseinandersetzungen.

Für den Ortsvorsteher von Crossen Stefan Kramer ist die gesamte Argumentation nicht schlüssig. „Es gibt für mich zu viele Widersprüche", hält er gegen das Projekt. Im Stadtrat hatte er seine Bedenken vorgetragen. Zum einen habe das Gelände einen Höhenunterschied von rund acht Metern. Die Überlegungen das Gebiet in drei Etagen zu untergliedern hält er für unsinnig. Wenn ein Investor eine Fläche suche, dann auf einer Ebene. Und in den Besitz der Flächen müsse man erst einmal gelangen. Die befinden sind nämlich ausnahmslos in Privatbesitz. Noch schlimmer: Es sind 42 Erbengemeinschaften. Die von der Verwaltung angestrebte schnelle Umsetzung des Vorhabens dürfte sich damit erledigt haben.

Wie man freilich das Gewerbegebiet an das Straßennetz anschließen soll, weiß Kramer auch nicht. Dafür weiß er eines: nach dem Planfeststellungsbeschluss für die Bundesstraße 93 sind „keine weiteren Straßenanschlüsse und Zufahrten zulässig". Das geht aus einem Schreiben des Straßenbauamtes hervor.

Und nicht nur das beschäftigt den Crossener Ortsvorsteher. Über dem geplanten Industriegebiet verlaufen zwei wichtige Stromleitungen, unterirdisch sind eine Hauptwasserleitung sowie eine Gasleitung verlegt. Ob da so einfach gebaut werden kann ohne auf die Infrastruktur Rücksicht zu nehmen, zweifelt er an.

Die Bürgerinitiative „Pro natur", die bereits gegen die Kiesgrube zu Felde zieht hat sich unterdessen auch des Industriegebietes angenommen. Dort befürchtet man, das Tatsachen geschaffen werden sollen. Weder im Flächennutzungsplan noch im Aufstellungsbeschluss sei der Standort ausreichen begründet worden.







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