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LICHTENSTEIN (Kristina Neukirch). Vielleicht ist das der Platz, an dem sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Es sieht zumindest danach aus: Mitten im Grünen, ringsum Felder und Wälder, der Abend ist lau, die Amsel singt ihr Lied.
Ein paar Schafe beäugen mich kauend, während ich den Feldweg zum Tierlehrpfad Lichtenstein hinunterlaufe. „Wollen Sie zu uns?“, begrüßt mich eine männliche Stimme, die zwischen zwei Shetlandponys steht. ,Das ist Steffen Eichhorn’, zähle ich eins und eins aus dem vorangegangenen Telefonat zusammen.
„Ich hab’ Sie dank ihrer Tipi-Ausschilderung gleich gefunden“, ich stelle mich vor und sehe, dass außer ihm „große und kleine Indianer“ hier versammelt sind, die sich zwischen drei Tipis, Marterpfahl und Lagerfeuerstelle tummeln und mit Indianergruß grüßen. Auf zehn Hektar beheimatet Steffen Eichhorn hier 50 Groß- und über 50 Kleintiere, darunter auch alte Haustierrassen, die vom Aussterben bedroht sind, da sie wirtschaftlich nicht mehr so effektiv sind, wie ihre gezüchteten Nachfolger: „Es gibt die Skudden und die Pommernschafe, die Urform der Schafe, deren Wolle nicht so gut ist oder Hühner, die nur aller zwei Tage ein Ei legen, weil sich ihr Körper zwischendurch regenerieren muss. Sie alle wollen wir erhalten, auch wenn sie die moderne Gesellschaft nicht mehr will, erklärt mir Steffen Eichhorn, während er mir all die anderen tierischen Gefährten, von kleinen Hängebauchschweinen mit Muttertier, Gänsen auf seinem idyllisch angelegten Teich und Rosel und Rudolph - zwei seiner fünf Hochlandrinder zeigt.
Er bezeichnet die Schaffung dieses Idylls als seinen persönlichen Jakobsweg, denn nach einer schweren Lebenskrise sagte er sich: „Du musst etwas machen, was dir gut tut“. Da der Lichtensteiner auf einem Bauernhof großgeworden ist und Tiere für ihn von klein auf ein wichtiger Bestandteil seines Lebens waren, brachte ihn ein Freund aus Thalheim auf die Idee, etwas mit vom Aussterben bedrohten Tieren auf die Beine zustellen. „Während andere Leute abends in den Fernseher schauen, nahm ich mir sämtliche Lektüre über alte Haustierrassen zur Hand, habe mir viele Gedanken gemacht und bin unermüdlich herumgereist, um mir Ideen zu holen“, beschreibt der 48-Jährige seinen Weg aus dem Tief. „Durch die Zusammenarbeit mit der Mini-Welt, in der ich mit meinem Ziegengespann unterwegs bin, hat sich der Tierlehrpfad herumgesprochen. Letztens kam ein Mann zu mir, der mir ein Bild von 1948 unter die Nase hielt, auf dem er in einem Ziegengespann saß. Er hat sich so gefreut, dass es das wieder gibt“, erzählt der Lichtensteiner, der gleichzeitig erwähnt, dass Ziegen früher Kirschen und Erdbeeren von den Gärten in die Stadt transportiert haben.
Schulklassen können mometan eine Nacht hier mit Lagerfeuer, Knüppelkuchen backen in ihren Zelten verbringen. Dabei erklärt Steffen Eichhorn den Kindern alles über Tiere und vor allem den Umgang mit der Natur. „Ich stelle immer wieder fest, dass Kinder wissen, wie viel Speicherplatz ihr PC hat, nicht aber warum eine Kuh Milch hat oder was ein Zaunkönig ist. Sie brauchen sich nicht die Fachnamen der Tiere zu merken, mir genügt es, wenn sie verstanden haben, warum sie den Fliegenpilz im Wald nicht umschmeißen, auch wenn er für sie giftig ist und ihr Kaugummipapier nicht achtlos in die Natur wegwerfen“, verdeutlicht der gelernte Elektromaschinenbauer sein Anliegen.
Auf seinen gepachteten zehn Hektar Land wird nicht künstlich gedüngt, sondern auf die eigene Renaturalisierung gesetzt. Er zeigt den Kindern Vogelnester an denen die Wolle der Schafe doch einen Nutzen zu haben scheint und baut mit ihnen Insektenhotels. „Mir geht es nicht darum, finanziell etwas rauszuholen, von Kommerz will ich nichts mehr hören. Mein Wunsch ist, dass Eltern einfach mal ihr Zelt hier draußen mit ihren Kindern aufschlagen, sich am Lagerfeuer zusammensetzen, statt mit Fernseher und Laptop in den Zimmern aneinander vorbeizuleben“. Weitere Info: www.tierlehrpfad.de
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