Freiberg/Flöha Ein Buch für den Präsidenten
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Der Großhartmannsdorfer Otto Härtig ist einer der profundesten Kenner des sächsischen Adelsgeschlechts derer von Carlowitz. Derzeit ist er auch seiner eigenen Familiengeschichte auf der Spur, die aus dem Nordböhmischen stammenden "von Hartig". Das sanierte Mayoratsgut in Großhartmannsdorf (im Hintergrund) ist sein "Lebenswerk". Foto: Constanze LenkGROSSHARTMANNSDORF (Steffen Ulbricht). Spätestens seit James Bonds Auftritt in "Goldfinger" ist bekannt, dass man für eine ordentliche Rettung schon mal beim Präsidenten eingeladen wird.

Während es sich bei Bond um die Rettung der Welt handelt(e), ging es beim Großhartmannsdorfer Ortschronisten Otto Härtig um die Rettung des gerade für die sächsische Geschichte so wichtigen Mayoratsgutes im Heimatort. Und da dieser Fakt schon seit den 80er Jahren zutrifft, gabs nun zum 2010er Neujahrsempfang die Einladung des deutschen Präsidenten Horst Köhler. Härtig, vorgeschlagen von Landrat Volker Uhlig, war dabei einer der fünf Sachsen im Schloß Bellevue.


Im schwarzen Anzug, mit der Ortschronik in der Hand, stand der heuer bald 80-Jährige dem Bundespräsidenten nebst Gattin gegenüber: "Ich konnte auch einige Worte mit ihm wechseln und die Chronik kommentieren. Überraschend hat er uns in seiner Ansprache vor allen Bundesministern begrüßt - und das ist ja wirklich eine hohe Wertschätzung." Mit der Einladung wird das langjährige Engagement von Otto Härtig für das Herrenhaus des Rittergutes in Großhartmannsdorf gewürdigt. Was sich heute als liebevoll restauriertes Mayoratsgut darstellt, verfiel bis zur Wende vor 20 Jahren. Vom gewaltigen Gutskomplex war bis dato von seiner einstigen Größe ohnehin nur noch wenig geblieben.


Trotz diverser Widerstände gerade vor 1990 setzte sich Härtig entschlossen für die Erhaltung ein. Die Gemeindeverwaltung gab später kräftige Unterstützung, immerhin 400.000 Euro an Eigenmitteln. Im Mai 2008 wurden dann in dem Wahrzeichen in der Ortsmitte große Teile der Sammlung der Stiftung Land Sachsen integriert. Das hatte seinen Grund, denn hier entstanden durch Carl-Adolph III. von Carlowitz die Grundzüge der ersten Sächsischen Verfassung überhaupt. Übertrieben ausgedrückt, stand im Mayoratsgut also die Wiege Sächsischer Demokratie. Das Geschlecht derer von Carlowitz - wohl nur wenige werden sich da so gut auskennen wie Otto Härtig. Die heute auch jenseits des Atlantik lebenden Blaublüter haben natürlich auch in der genannten 570-seitigen Ortschronik von Großhartmannsdorf sowie den Ortsteilen Mittelsaida und Obersaida ihren gewichtigen Platz.


Nun hat das Buch also auch der Bundespräsident: "Vielleicht blättert er mal länger drin", hofft Härtig, der gerade eine weiteres Exemplar für den Versand nach Kanada fertig gemacht hat. Otto Härtig - zu DDR-Zeiten Koch im VEB Narva Brand-Erbisdorf - hat übrigens auch eine große Vitrine voller Pokale in Sachen Kaninchenzucht. Dieses Hobby betreibt der rüstige Senior auch schon seit Jahrzehnten. Doch erlebt er nicht nur eitel Sonnenschein, denn nach vielen internen Querelen ist Härtig in Sachen Mayoratsgut dort nicht mehr tätig: "Ich habe nur noch das Bestreben, dass ich da endlich Ruhe kriege."


Aber, um noch mal auf die Einleitung dieses Beitrages zurückzukommen - James Bond traf es nach seiner Einladung vom Präsidenten nach Washington zunächst noch ärger: Das Flugzeug von 007 wurde sabotiert und stürzte ab, Sean Connery landete aber wie üblich in der Armen einer schönen Frau. Tja, Amerika...


 
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