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VOGTLAND (I. Eckardt & D.Krug). Die Würdigung der Plauener Vorreiterrolle bei der friedlichen Revolution in der DDR ist in dieser Woche von höchster deutscher Stelle erfolgt: Bundespräsident Horst Köhler und seine
Gattin Eva Luise besuchten - just am 20. Jahrestag der ersten Großdemonstration in der damaligen DDR in Plauen - am Mittwoch die Spitzenstadt.
Sein Besuchsprogramm führte den ersten Mann im Staate vom Hubschrauberlandeplatz am Lindentempel in das historische Rathaus. Dort empfingen Köhler und seine Gattin um die hundert geladenen Gäste, darunter die Chefs wichtiger Firmen Plauens, Politiker aller Stadtratsfraktionen sowie verdiente Bürger der Stadt, Ehrenbürger und Träger der Stadtplakette. Ebenfalls vor Ort waren jede Menge Medienvertreter, die eine musikalische Begrüßung des deutschen Staatsoberhauptes durch Martha Helene Preusker und Maximilian Rothe mit dem „Potato Rag“ - einem Kartoffeltanz also - erlebten. Nach einigen salbungsvollen Worten und der Eintragung ins „Goldene Buch“ der Stadt wurden die Notenblätter der beiden jungen Musiker vom Vogtland Konservatorium signiert, das lockere Gespräch mit einigen Gästen gesucht und durch Initiator Wolfgang Sachs und den Künstler Peter Luban das geplante Wendedenkmal in Plauen erläutert. Danach ging es für das bestens beschützte Präsidentenpaar flugs weiter ins Malzhaus, wo Köhler einer Radioaufzeichnung einer Diskussion zum 20-jährigen Jubiläum der Proteste in Plauen beiwohnte.
Im Beisein von zahlreichen Schülern der Plauener Gymnasien und Berufsschulzentren hörte er die emotionalen Erzählungen aus der Wendezeit - von Steffen Kollwitz (ehem. Neues Forum), dem einstigen Plauener Superintendenten Thomas Küttler und Siegmar Wolf, dem ersten Mutigen, der bei der Plauener Demo ein Plakat entrollte. Später stieß noch der einstige „Gruppe der 20“-Sprecher Hartmut Seidel zu den Akteuren. Der Bundespräsident wurde auch zu seinen Gedanken rund um die Plauener Ereignisse befragt und auch die Schüler hatten ein paar Fragen dabei - die meisten drehten sich sehr konkret darum, was sie denn hier im Vogtland halten solle, wenn anderswo verlockendere Lebensbedingungen winken würden. Köhler sagte, dass man den Faktor Heimat und die Verantwortung zu dieser nicht hoch genug bewerten könne. Zudem forderte er die jungen Leute auf, sich selbst zu engagieren und selbst die Zukunft ihres Landes und ihrer Region in die Hände zu nehmen. Nach demMittagessen und einigen Gesprächen im „Boxenstop“- Jugendzentrum ging es weiter ins Obere Vogtland. Das Nachmittagsprogramm des Bundespräsidenten Horst Köhler und seiner Ehefrau begann bei fast hochsommerlichen Temperaturen beim Markneukirchener Gitarrenhersteller Warwick.
Nach der Begrüßung durch den Geschäftsführer Hans-Peter Wilfer eilte das Staatsoberhaupt in die Produktionsstätte. Köhler war immer schnellen Schritts unterwegs, aber nur, um wieder stehen bleiben zu können, um mit Arbeitern und Menschen aus der Region zu sprechen. Vom Auszubildenden Christian Schättelich, dem er freundschaftlich die Hand auf die Schulter legte, erfuhr er einiges über die maschinelle Herstellung der Gitarrenrohlinge. Mehr konnte dagegen sein Kollege Marcus Spangler vom hochwertigen Holz erzählen, das für die Instrumente verwendet wird. Vor dem Eintrag in das Gästebuch der Firma, erhält der Bundespräsident zur Erinnerung an den Besuch eine Bassgitarre in den Deutschlandfarben Schwarz, Rot, Gold überreicht. Den Mitarbeitern der Firma, die im Schauraum Spalier standen, wünschte er Glück und Durchhaltevermögen. Mit Hornklängen der Oelsnitzer Jagdhornbläser wurde der Bundespräsident mit seinem Tross wenig später an der ehemaligen Deutsch-Deutschen Grenze in Sachsgrün begrüßt.
Heute ist der Grenzstreifen mit einer Länge von 42 Kilometern das größte Naturschutzgebiet des Vogtlandkreises, das ihm Landrat Dr. Tassilo Lenk näher brachte. Das „Grüne Band“ biete eine ganz besondere Flora und Fauna und einmalige Aussichten für Wanderer und Spaziergänger. Bevor es nach gut einer Stunde „Grenzgang“, zurück zum Hubschrauber ging, wurden die hohen Gäste mit Erinnerungsgeschenken bedacht. Unter anderem gab’s vom Landrat einen gedrechselte Sigmund Jähn als Räuchermännchen.
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