WochenSpiegel

Aus Abfall wird Dünger

Freiberger Chemieprofessor für Phosphatrecyclingverfahren ausgezeichnet

Die zunehmende Phosphatknappheit und die Probleme beim Entsorgen humaner Stoffwechselendprodukte waren vor vier Jahren der Anlass, ein neuartiges Verfahren zur Herstellung von Phosphordünger zu entwickeln. An diesem umfangreichen Projekt forschte Prof. Dr. Martin Bertau, Direktor des Instituts für Technische Chemie an der TU Bergakademie Freiberg. Gemeinsam mit drei weiteren Hochschulen und dem Unternehmen RecoPhos Consult GmbH entwickelte Prof. Bertau ein Verfahren, mit dem gegenwärtig 8.000 Tonnen Phosphordünger zu handelsüblichen Preisen aus Klärschlammasche gewonnen werden können.

„An der Entwicklung des neuen Verfahrens zur Düngemittelherstellung waren Naturwissenschaftler, Ingenieure und Abfallwirtschaftler beteiligt. Diese fachliche Konstellation führte letztendlich zum Erfolg. Unser neues Phosphordüngemittel erfüllt die Qualität eines konventionellen Produkts nach den Vorgaben der Düngemittelverordnung, wird aber aus einem Ausgangsmaterial gewonnen, das die meisten Menschen noch als Abfall ansehen", sagt Prof. Martin Bertau.

Prof. Bertau beschäftigt sich besonders mit der ganzheitlichen Nutzung sämtlicher Stoffströme, die bei der Verwertung von Rohstoffen wie zum Beispiel bei der Aufarbeitung von Klärschlamm­aschen anfallen. Mit dem von ihm am Institut für Technische Chemie entwickelten Null-Abfall-Konzept (Zero-waste-Konzept) ist er ein Vordenker für zukünftige Entwicklung am Rohstoffmarkt. Ein Schwerpunkt für den Forscher der Ressourcenuniversität ist die Gewinnung von Wertstoffen aus Sekundärrohstoffen. Hierzu zählt das Recycling von strategischen Metallen und von Phosphat ebenso, wie die Germanium-Gewinnung aus Gärresten von Biogasanlagen.

Phosphor ist neben Stickstoff der wichtigste Düngerbestandteil, doch ist mineralischer Phosphor weltweit nur in begrenzter Menge verfügbar, und jährlich werden 200.000 Tonnen Rohphosphat nach Deutschland importiert. Wie bei der Erdölgewinnung werden die Abbaukosten für Phosphor drastisch ansteigen, wenn erst der Punkt der maximalen weltweiten Fördermenge erreicht ist (Peak Phosphorous) und die Fördermengen von Jahr zu Jahr geringer werden. Zudem sind die Rohphosphate zunehmend mit Uran und Cadmium belastet, was erheblichen Reinigungsaufwand bedeutet, um einen Bodeneintrag durch die Düngung mit herkömmlichem Phosphatdünger zu vermeiden.

Der aus Klärschlammasche gewonnene Phosphatdünger dagegen ist sauber und ohne belastende Stoffe, dafür sogar noch mit wertvollen Spurenelementen angereichert, die für Pflanzen und Boden wichtig sind. Versuche an der Technischen Universität München Weihenstephan und der Humboldt-Universität Berlin mit Raps und Mais konnten zudem belegen, dass durch den neuen Dünger die Pflanzen bei gleichbleibenden Erträgen größer und grüner werden. Abfall- und düngemittelrechtliche Gutachten der TH Gießen belegen die volle Gleichwertigkeit gegenüber konventionellem Dünger.

Das vom Institut für Technische Chemie mitentwickelte RecoPhos-Verfahren ist das weltweit einzige industriell angewandte Verfahren für das Phosphat-Recycling. Nach ersten Versuchen im Dezember 2009 konnte bereits im April 2010 der Labornachweis erbracht werden. Das zum Patent angemeldete RecoPhos-Verfahren war geboren! Ein Jahr später wurde RecoPhos® als Düngemittel zugelassen. Seit dem vergangenen Jahr wird der umweltfreundliche Dünger verkauft und wie Prof. Bertau vom Hersteller erfahren hat, seien die Landwirte davon begeistert. Hergestellt wird das Düngemittel in einer Pilotanlage in Sachsen-Anhalt.

Für die Entwicklung des Phosphordüngers aus Klärschlamm­asche ist Prof. Martin Bertau im vergangenen November mit dem Deutschen Rohstoffeffizienz-Preis des Bundeswirtschaftsministeriums ausgezeichnet worden. Der Deutsche Rohstoffeffizienz-Preis wurde eingeführt, um den Stellenwert der Rohstoff- und Materialeffizienz und deren Effekte in der Wirtschaft stärker zu verankern. Er zeichnet herausragende anwendungsorientierte Forschungsergebnisse, rohstoff- und materialeffiziente Produkte, Prozesse oder Dienstleistungen aus.







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